Latenz
Verzögerung bei der Datenübertragung (Reaktionszeit); niedrige Latenz ist wichtig für Telefonie, Video und Echtzeit-Anwendungen.
Was Latenz bedeutet
Latenz bezeichnet die Verzögerung, mit der Daten von einem Punkt im Netzwerk zu einem anderen gelangen. Vereinfacht ist es die Reaktionszeit einer Verbindung – die Zeit zwischen dem Absenden einer Anfrage und dem Eintreffen der ersten Antwort. Gemessen wird sie in Millisekunden (ms). Im Alltag begegnet vielen Nutzern dieser Wert als „Ping“. Wichtig ist die Abgrenzung zur Bandbreite: Während Bandbreiten beschreiben, wie viele Daten pro Sekunde durch die Leitung passen, beschreibt die Latenz, wie schnell das erste Datenpaket ankommt.
Ein anschaulicher Vergleich: Die Bandbreite ist die Breite einer Autobahn, die Latenz die Zeit, bis ein einzelnes Auto am Ziel ankommt. Eine sehr breite Leitung mit hoher Latenz fühlt sich trotzdem träge an, etwa bei Videoanrufen, bei denen Gesprächspartner sich ins Wort fallen, weil die Sprache verzögert ankommt. Für viele moderne Anwendungen ist eine niedrige Latenz daher mindestens so wichtig wie eine hohe Bandbreite.
Meist wird die sogenannte Round-Trip-Time betrachtet, also die Zeit für Hin- und Rückweg eines Datenpakets. Werte unter rund 30 Millisekunden gelten als sehr gut, jenseits von 100 Millisekunden wird es bei interaktiven Anwendungen spürbar. Neben dem reinen Mittelwert zählt die Konstanz: Stark schwankende Latenz stört Echtzeitanwendungen oft mehr als ein durchgehend etwas höherer, aber stabiler Wert.
Wie Latenz entsteht
Latenz setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Ein Teil ist schlicht Physik: Lichtsignale in einer LWL-Leitung legen pro Kilometer eine messbare Strecke zurück, weshalb eine größere Distanz zwangsläufig mehr Verzögerung bedeutet. Hinzu kommen Verarbeitungszeiten in jedem zwischengeschalteten Gerät – im Modem, in Routern, Switches und in der Firewall. Jeder dieser Knotenpunkte kostet ein wenig Zeit.
Auch die Art der Anbindung spielt eine große Rolle. Glasfaser und FTTH liefern in der Regel deutlich niedrigere Latenzen als ältere Techniken wie DSL oder VDSL. Im Mobilfunk hat sich die Latenz von GSM über LTE bis hin zu 5G stark verbessert; gerade 5G ist auf besonders geringe Verzögerung ausgelegt. Wird die Datenverarbeitung näher an den Entstehungsort verlagert – das Prinzip von Edge Computing –, sinkt die Latenz zusätzlich, weil die Daten nicht erst zu einem weit entfernten Rechenzentrum und zurück reisen müssen.
Warum niedrige Latenz für Unternehmen zählt
Für eine wachsende Zahl von Geschäftsanwendungen ist die Latenz ein entscheidender Qualitätsfaktor. Bei der Internettelefonie und bei VoIP führt zu hohe Latenz zu unangenehmen Sprachverzögerungen und Echo. Videokonferenzen über Microsoft Teams oder andere Plattformen wirken bei niedriger Latenz natürlich, bei hoher dagegen stockend. Auch der Zugriff auf cloudbasierte Anwendungen, auf entfernte Server oder auf SaaS-Dienste fühlt sich nur dann flüssig an, wenn die Reaktionszeiten kurz sind.
Besonders spürbar wird Latenz bei Echtzeit-Anforderungen: in der Maschinensteuerung, bei standortübergreifenden Systemen oder bei Anwendungen, die sofortige Rückmeldung erwarten. Hohe oder schwankende Latenz – Letztere als „Jitter“ bezeichnet – kann hier Prozesse ausbremsen oder Fehler verursachen. Wer über Standortverbindungen mehrere Niederlassungen koppelt, sollte die Latenz daher von Anfang an in die Planung einbeziehen, etwa bei der Wahl zwischen MPLS, SD-WAN oder einer VPN-Lösung.
Latenz gezielt verbessern
Latenz lässt sich an mehreren Stellen optimieren. Der Wechsel auf Glasfaser senkt sie spürbar, ebenso dedizierte Leitungen mit garantierter, nicht geteilter Kapazität. Innerhalb des Unternehmens trägt eine durchdachte Netzoptimierung dazu bei, dass Datenpakete nicht durch überlastete oder unnötig verschachtelte Wege gebremst werden. Auch die Priorisierung wichtiger Datenströme – etwa Sprache vor reinem Datenverkehr – hilft, kritische Anwendungen flüssig zu halten.
Wo geringe Latenz geschäftskritisch ist, sollte sie in Service-Level-Agreements festgehalten werden. Eine garantierte Verfügbarkeit allein sagt noch nichts über die Reaktionszeit; ergänzende Latenzzusagen schaffen hier Klarheit. Bei der Anbieterwahl lohnt es sich, gemessene Werte zu vergleichen, statt sich nur auf Werbeversprechen zu großen Bandbreiten zu verlassen.
Auch im eigenen Haus lässt sich einiges tun. Veraltete Netzwerktechnik, überlastetes WLAN oder eine schlecht konfigurierte Firewall können selbst auf einem schnellen Anschluss spürbare Verzögerungen erzeugen. Eine saubere Inhouse-Verkabelung, aktuelle Geräte und eine durchdachte Trennung der Datenströme sorgen dafür, dass die niedrige Latenz der Anbindung auch tatsächlich am Arbeitsplatz ankommt.
Der Blick von ITTK
In Beratungsprojekten erleben wir bei ITTK häufig, dass Unternehmen ausschließlich über die Bandbreite ihrer Anschlüsse sprechen, während die Latenz im stillen Hintergrund über die gefühlte Performance entscheidet. Als unabhängige Berater aus Düsseldorf messen wir deshalb nach, statt zu raten, und ordnen die Werte den tatsächlichen Anwendungen zu – von der Cloud-Telefonie bis zur Standortkopplung.
Weil wir herstellerneutral arbeiten, vergleichen wir für Kunden im Rheinland und in ganz NRW die Angebote verschiedener Netzbetreiber und lokaler Provider auch hinsichtlich Latenz und Stabilität. Manchmal ist der schnellste Anschluss nicht der mit der höchsten Bandbreite, sondern der mit der kürzesten und stabilsten Reaktionszeit – und genau das machen wir transparent.
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